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Von Schänken und Schwemmen
Auf der Suche nach dem Wirtshaus im Wandel der Zeiten
Das bayerische Wirtshaus gehört zu den Institutionen, die mit schöner Regelmäßigkeit für tot erklärt werden. Und wenn man über Land fährt, stößt man ja auch wirklich immer wieder auf Wirtshäuser, die entweder ganz geschlossen oder in Pizzerias umgewandelt wurden. Oder aber man landet in einem pseudobayerischen, sogenannten Landgasthof, wo einem eine vorzugsweise sächselnde Bedienung im Dirndl eine Speisekarte bringt, auf der so seltsame Gerichte stehen wie Schweinebraterl am Kartoffelknöderl mit gemischtem Salatl.
Andererseits hat sich jahrhundertelang niemand Gedanken darüber gemacht, ob ein bayerisches Wirtshaus wirklich ein bayerisches Wirtshaus ist. Es war einfach eine völlig selbstverständliche Institution. Je nach Ausstattung und persönlichem Bedarf konnte man dort essen und trinken. Ratschen. Kartenspielen. Kegeln. Übernachten. Legale oder auch krumme Geschäfte abschließen. Konspirieren. Politisieren. Hochzeit und Kindstaufe feiern. Leichenschmaus halten. Vereins- und Feuerwehrfeste begehen. Und, und, und. Vor allem die Männer konnten sich auch ihre Ängste und Sorgen von der Seele reden und Rat suchen.
Heute dagegen geht Mann zur Tanke, wenn er an Alkohol kommen will, und lässt sich die Pizza frei Haus liefern, wenn er Hunger hat. Chattet im Net, wenn ihm etwas auf der Seele liegt. Trainiert nicht mehr am Stammtisch die Fülle der Leibesmitte, sondern im Fitnessstudio den Sixpack-Bauch.
Ulrich Zwack schildert die wichtige Rolle der Boazn im Alltagsleben von früher, schaut sich aber auch in den Schänken und Schwemmen von heute um. Denn sogar in der Stadt kann man noch immer das eine oder andere Wirtshaus alter Prägung entdecken. Und auch so mancher Italiener oder Grieche von nebenan ist inzwischen auf dem besten Weg, wenigstens ansatzweise in die kulturellen und sozialen Funktionen einer g'standenen Wirtschafthineinzuwachsen.









