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Das Müllersche Volksbad in München

Ein Wunder, dass es jemals fertig wurde 

 

Es war der erbitterte Kampf zwischen zwei Männern – ein Glaubenskrieg um die ästhetische Vorherrschaft zwischen dem Stifter des Müllerschen Volksbades und seinem Architekten. Am Ende gibt der Lebemann Karl Müller dem Bad seinen Namen, der Architekt Carl Hocheder verwirklicht dagegen weitgehend seine Vision eines neubarocken Jugendstilgebäudes, das über die seinerzeit noch sehr verbreiteten klassizistischen Vorstellungen im Geiste eines Leo von Klenze triumphiert.

Wo König Ludwig II. kurz zuvor noch ein Opernhaus für Richard Wagner bauen wollte, ersteht am Ende des 19. Jahrhunderts ein Badetempel für „das unbemittelt' Volk“, mit dem München der katastrophalen Hygienesituation Herr zu werden versucht, als es in den Wohnungen noch keine Badewannen oder Duschen gab.

Der Architekt und „Königliche Professor Carl Hocheder der Ältere“ bewies außerordentliche Geduld und diplomatisches Geschick. Um die Einweihung nicht zu gefährden, wird sein notorischer Widersacher Karl Müller in letzter Minute noch schnell in den Ritterstand erhoben – sonst hätte er, der das Projekt mit der Schenkung von fünf, allerdings durch Hypotheken belasteten Mietshäusern an die Stadt München in Gang gebracht hatte, es wohl für immer scheitern lassen.

Heute ist das Müllersche Volksbad nicht nur ein Wahrzeichen Münchens, sondern auch eines der am besten erhaltenen Jugendstil-Gebäude weltweit. Ein Wunder, so Andreas Miekisch, dass es 1901 - nach vier Jahren Bauzeit - schließlich seine Pforte öffnete.

 

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