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musikWelt vom 23.01.2011
Fertig werden
Über den Prozess des Schaffens
von Florian Hauser
Was ist so schwer daran, einen Schluss zu finden? Mal schaffen wir es gerade noch, mal gar nicht und mal locker und elegant: das Fertigwerden ist ein Phänomen, das uns allen wohlbekannt ist und mit dem wir täglich zu tun haben. Wie ist das aber eigentlich bei Musikern? Bei Komponisten und Interpretinnen? Dieses Feature kreist um die Frage, wann eine Interpretation, eine Komposition, ein künstlerisches Produkt "fertig" ist, wann ihre Schöpfer bereit sind, es loszulassen. Ein Komponist, eine Cellistin, eine Malerin, ein Musikkritiker und ein Philosoph machen sich Gedanken um diese Reifeprozesse, um die Schwierigkeiten, Entscheidungen zu treffen, um die Genugtuung, etwas gut sein zu lassen und um die Jagd nach der Perfektion. Was heißt denn das überhaupt: fertig werden? Und wo sind die feinen Unterschiede zwischen dem schnöden Beenden und dem lustvollen Vollenden? Und was passiert eigentlich, wenn sich ein Komponist nicht entscheiden kann, wenn er einfach kein Ende findet? Beethoven und Sibelius haben eindrücklich bewiesen, wie man einen Schluss inszeniert - es gibt aber auch Komponisten, die den Schluss vermeiden und ans Ende ihrer Stücke neue Anfänge setzen: das alte Stück hört einfach nicht auf, stattdessen öffnet sich ein neues Fenster, bevor alles abbricht. Das Fertigwerden kann eine Erleichterung sin, weil sich eine große, wunderbare Zufriedenheit einstellt. Oder es kann ein Drama sein - weil es vielleicht nicht besser geht. Weil das Material erschöpft ist. Oder der Schöpfer. Oder die Geduld.









