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Nachtstudio vom 11.10.2011
Das Ich gilt, aber nicht mein Ich - Über Jean Paul und die Verfremdung
Von Navid Kermani
"Jean Pauls Romane sind der permanente Verfremdungseffekt. Wie im epischen Theater, gleichwohl ohne Didaktik kommentiert der Romanschreiber das eigene Romanschreiben und stellt es somit in seiner Romanhaftigkeit heraus", sagt der Schriftsteller Navid Kermani.
Kermani hielt im Sommersemester 2010 im Rahmen der traditionsreichen Frankfurter Poetikdozentur eine fünfteilige Vorlesung "Über den Zufall. Jean Paul, Hölderlin und der Roman, den ich schreibe".
Sein damals in Entstehung begriffener neuer Roman "Dein Name" ist im Spätsommer 2011 beim Hanser Verlag erschienen. "Fortlaufend weist Jean Paul (1763-1825) auf besonders schwierige Passagen hin, die er dann innerhalb der Handlung um einen Tag verschiebt, um als Romanschreiber selbst ausgeruhter zu sein, rechtfertigt sich für seine Exkurse, redet seine Figuren an, entschuldigt sich bei den Rezensenten, erklärt, was in Romanen jetzt gewöhnlich geschehen würde und warum er abweicht, oder annonciert das Stadium, in dem sich die Handlung befindet. Er bietet anderen Romanschreibern seine Charaktere sogar zum Verkauf an. Und er macht sich selbst zur Figur innerhalb der Handlung, namentlich als Jean Paul, mal in der ersten, mal in der dritten Person. Ein Selbstporträt? "Das Ich gilt, aber nicht mein Ich.""









